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Nachtfahrt nach Rishikesh

Die nächste Station soll Rishikesh werden. Bekannt vor allem seit die Beatles hier mal mehrere Monate in einem Ashram verbracht haben ist der kleine Ort ein Mekka für Yoga- und Meditationsfans.
Die einfachste Möglichkeit von Dharamsala aus hinzukommen ist der Nachtbus der einmal täglich fährt. Die Möglichkeit wollen wir nutzen. Leider bekommen wir nur noch die letzten Plätze und schlagen sofort zu. Der Bus ist ein sogenannter Semi-Sleeper, das heißt man kann die Sitze nach hinten umlegen, zumindest ein wenig.
Gegen Abend machen wir uns also zu Fuß auf den Weg zum Busbahnhof. Nach einigem Durchfragen und einem Abstieg in die untere Etage, der nur mit Hilfe von Taschenlampen möglich ist, erreichen wir unseren Bus. Wir verstauen unsere Rucksäcke und steigen ein. Die letzten beiden Plätze zu bekommen heißt, man muss in der letzten Reihe Platz nehmen in der nicht vier, sondern fünf Sitzplätze nebeneinander sind. Leider sind diese Sitze aber von indischen Ingenieuren für Durchschnitts-Inder entworfen worden, deren Ausmaße jeder Europäer bei weitem überschreitet. Wir überschreiten diese Maße noch mal etwas mehr, da wir beide nicht gerade klein sind und nicht unbedingt als Diätfanatiker zu bezeichnen wären.
Im Klartext heißt das, zu zweit nehmen wir in der Breite fast drei Sitze ein und da wo unsere Knie aufhören, hat der vordere Sitz schon lange begonnen: Bequem ist anders.
Wie schon erwähnt lassen sich die Sitze zurücklehnen, NUR leider nicht in der letzten Reihe. Was aber die dreiköpfige Familie auf den beiden Sitzen vor uns nicht daran hindert ihre Sitze mit unseren Knien in eine physikalische nur schwer erklärbare Lage zu bringen. Fenster, heißt in Indien einfach nur die Tatsache das eine Glasscheibe vorhanden ist. Dicht muss diese bei Gott nicht sein. Und so zieht es Fröhlich von allen Seiten, das die Innentemperatur auf knackige 15°C sinken lässt. Heizungen sind in diesen Bussen generell wohl nicht verbaut. Wir vermummen uns also mit allen textilen Vorräten die uns zur Verfügung stehen und versuchen zu schlafen.
Wie erwartet klappt das mit dem schlafen natürlich nicht. Entweder fällt dem Fahrer ein das wir unbedingt eine Tee-Pause brauchen, oder die Familie vor uns hat vergessen das Sitz und Knie nicht zur gleichen Zeit am selben Ort sein können oder der Bus fährt einfach nur in eines der zahlreichen Schlaglöcher, in denen man bequem einen Ost-europäischen Kleinwagen parken könnte, und wir heben dezent von unseren Sitzen ab.
Nur 14 Stunden später sind wir ja auch schon da. Da, das heißt wir stehen auf einer Rollsplitt-Fläche irgendwo außerhalb der Stadt. Sofort nehmen die anwesenden Rikscha-Fahrer die Verhandlungen auf und nennen uns astronomische Preise zu denen sie ins befördern möchten. Als sich noch andere Fahrgäste uns anschließen und sich weitere Rikschas nähern, geht der Preis rasch nach unten und wir kommen so recht günstig in unsere Unterkunft. Das angebotene Zimmer ist zwar recht spartanisch, hat aber eine Hammer-Aussicht und ist mit knapp 5 € für ein Doppelzimmer recht günstig.
Jetzt erst mal die Stadt erkunden. Mit nur einem groben Plan machen wir uns auf dem Weg in die Stadt. Unterwegs entdecken wir eine deutsche Bäckerei und lassen uns erst mal zu einem Frühstück nieder. Anschließend überqueren wir zusammen mit einigen Kühen die Hängebrücke die über den Ganges führt und erkunden die andere Flußseite. Hier reihen sich Yoga-Schule, an Ashram, an Meditationszentren. Alles voll damit. Angefangen hat es wohl damals mit den Beatles, und das dauert bis heute an. Am Flußufer werden wir Zeuge von rituellen Waschungen im Ganges die viele Hindus für sehr wichtig halten. Ehrlich gesagt würden mich keine zehn Pferde in diese Brühe kriegen, da wir schon häufiger mitbekommen haben was da so alles reingeleitet wird. Mit dem Wasser kann man bestimmt erstklassig Holz abbeizen, aber waschen? Nee!
Am Ende wollen wir natürlich auch den berühmten Ashram sehen in denen die Beatles abgestiegen sind und wohl viele Lieder geschrieben haben. Nicht ganz einfach zu finden, laufen wir lange am Ufer entlang, bis wir an die Überreste des Ashrams kommen.
Leider ist der Zugang verwehrt und so können wir das Bauwerk nur von außen betrachten.
Anschließend organisieren wir noch die Weiterfahrt nach Shimla und machen es uns in dem kleinen Gartenrestaurant unseres Guesthouses gemütlich. Nach den Strapazen gönnen wir uns auch mal eine Ayuveda-Massage, die zwar toll ist, deren Wirkung jedoch nur wenige Stunden später durch ein Bett, das über genau 2 cm Matratze verfügt komplett zunichte gemacht wird.

Beim Dalai Lama im Garten

Wir haben uns vorgenommen hier in McLeod Ganj einmal einen Gang zurück zu schalten und uns etwas zu entspannen. Nach einem herrlichen Frühstück auf der Terasse des Hotels gilt es gleich die “Stadt” zu erkunden. Die gesamten 5 Straßen existieren eigentlich nur weil sich der Dalai Lama sich hier nach seiner Vertreibung aus China niedergelassen hat. Mit ihm kam die gesamte Exil-Regierung von Tibet und viele andere offizielle Einrichtungen die sich auf Dharamsala und McLeod Ganj verteilen.

Am unteren Ende der Siedlung liegt neben dem Tibet-Museum dann der Tempel und der Wohnsitz des 14. Dalai Lama. Bevor man das Gelände betritt muss man erst einmal sämtliche elektronischen Geräte abgeben und wird auch noch einmal durchsucht. Klar, Sicherheit wird hier auch hoch gehalten.

Das Tibet-Museum ist eher spärlich und berichtet hauptsächlich über überfallartige Vereinamung des Landes durch China. Erschreckend detailiert wird berichtet wie grausam die Chinesen dabei vorgegangen sind. Ein weiterer großer Teil der Ausstellung berrichtet wie einzelne Tibeter immer wieder mit Hilfe von Selbstverbrennungen dagegen demonstrieren. (Ehrlichgesagt erschliesst sich mir der Sinn nicht so genau wie man mit Selbstverbrennung demonstrieren kann ??)

Der Tempel an sich ist eigentlich unspektakulär und lädt jeden ein an Zeremonien teilzunehmen. Im hinteren Bereich des Tempels werden dann die Sicherheitsmassnahmen noch einmal spuerbar heftiger. Denn hier ist der staendige Wohnsitz des Oberhaupts. Dieser Bereich ist auch ringsrum mit Stacheldrahtzaun und Wachen gesichert. Wir überlegen uns noch kurz ob wir mal klingeln sollen, am Tor informiert man uns dann aber das der werte Herr nicht zuhause sei, sondern in Süd-Indien rumfährt. Typisch, da kommen wir tausende Kilometer angereist, und der gute Mann ist nicht mal da! Gmpf, das naechste mal ruf ich vorher an!!

Für jeden Buddhist gilt es als Pflicht den Kailash (den heiligen Berg in Tibet) zumindest einmal in seinem Leben im Uhrzeigersinn zu umrunden. Ebenso gilt dies für den Wohnsitz des Dalai Lama. Also machen wir uns im Uhrzeigersinn auf den Weg um den Tempel. Hierbei gilt es möglichst langsam und bedacht zu laufen.

Auf dem gesamten Weg hängen tibetische Gebetsfahnen auf denen Mantras aufgedruckt sind. Sie sollen den Ort beschützen und sehen obendrein noch schick aus. Auch wir können uns nicht erwehren eine Gebetsfahne aufzuhängen, damit dem guten Mann nichts passiert, falls er mal zuhause sein sollte. Die Tempelumrundung ist wirklich ein tolles Erlebnis, und ausser der tollen Aussicht, die man auf das Tal hat, ist es schon eine tolle Erfahrung. Auf dem Weg sind noch allerlei Gebetsmuehlen angeordnet die wir natuerlich alle drehen.

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Tibet in Indien

Die erste Nacht in McLeod Ganj war zwar etwas kalt aber wir haben gut geschlafen. Da unser Hotel ziemlich ausgebucht ist müssen wir unser Zimmer Räumen und bekommen ein anderes zugewiesen. Das neue Zimmer liegt auf der Tagseite des Hotels und man kann wunderbar das ganze Tal und die ersten Ausläufer des Himalaya sehen.

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Auf der Terrasse des Hotels lassen wir uns erst mal ein ausgiebiges Frühstück schmecken. Her gibt es die verschiedensten Köstlichkeiten aus verschiedenen Kulturen: Indisch, Tibetisch, Nepalesisch und Continental.
Gut gestärkt schlendern wir durch das kleine Städtchen das eigentlich jur aus 5 Strassen besteht. Geht man hier durch, hat man keinesfalls eine Vermutung das man in Indien sein könnte. Alles hier schreit förmlich: Tibet. Es gibt tibetisches Essen, tibetische Kunst und tibetische Tempel und Geschäfte. In unserem schlauen Reiseführer haben wir von einem Kochkurs gelesen den wir nicht auslassen wollen. Auf unserem Weg durch die Stadt kommen wir am Bhimsen Café vorbei, der den Kurs gibt und wir melden uns an. Her sucht man sich drei Gerichte aus und die darf man dann in der Küche des Restaurants zubereiten. Wir wählen Chana Masala (Kichererbsen in Gewürzen), Vegetable Korma (Gemüse in cremiger Gewürzsauce) und natürlich Chapati, das traditionelle indische Brot.

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Nachdem wir die Gerichte zubereitet haben dürfen wir diese selbstverständlich auch selbst verspeisen, und wir müssen zugeben: gut gekocht 😉

Zum Abschluss des Tages gehen wir noch etwas durch die Strassen des Ortes und nehmen den Tempel und den Wohnorts des Dalai Lama in einen ersten Augenschein. Morgen werden wir den dann genauer erkunden. Für heute lassen wir es gut sein und genießen die gemütliche, entspannte Atmosphäre der “tibetischen” Kleinstadt. Auf dem Heimweg probieren wir noch eine Portion Momo’s, kleine mit Gemüse gefüllte Teigtaschen die gedämpft oder gebraten werden. Sehr lecker.

Höllenfahrt nach Dharamsala

Nachdem mein Magen mich die komplette Nacht wachgehalten hat, war der Morgen wenig angenehm. Im Halbschlaf packen wir unsere Rucksäcke, denn heute soll es weiter nach Dharamsala gehen, bzw. nach McLeod Ganj. Gestern hatten wir uns noch ein Taxi organisiert das uns dahinfahren soll. Ist zwar etwas teurer als eine Bus- oder Zugfahrt, aber heute kommt uns der extra Komfort gerade recht.
Wir schleppen uns also zum Taxistand wo man uns erklärt wir müssen noch eine halbe Stunde warten. Na toll, dafür hab ich mich nach DER Nacht aufgerafft. Wir setzen uns also neben den Taxistand und warten. Wie auch in den letzten Tagen sind wir wieder die Quelle des Amüsements für viele Inder die nach Amritsar gekommen sind sich den goldenen Tempel anzuschauen.
Nach schier endlos erscheinenden 30 Minuten kam der Taxistand-Besitzer und führt uns durch das Gewühl der Stadt zu unserem Fahrer. Dummerweise spricht der Fahrer leider nur ein paar Worte Englisch was die Sache nicht gerade vereinfacht. Naja nicht nachdenken einfach einsteigen und dann nur noch Augen zu und irgendwann ankommen.
Das Auto ist ein Tata Indica, das von der Größe ungefähr einem Ford Fiesta entspricht. Für zwei Leute von über 1,90 m mit zwei großen Rucksäcken nicht gerade üppig, aber naja, keine Ansprüche stellen. Einfach nur noch losfahren.
Zum Start der Fahrt erklärt uns der Fahrer erst mal das er uns gar nicht nach McLeod Ganj fahren kann, da dort gesperrt wäre. Jedenfalls interpretieren wir das aus dem englischen Wortgewürfel das er von sich gibt. An schlafen ist übrigens nicht zu denken, da die Strasse zu ca. 90% aus Schlaglöchern besteht und wir unserem Fahrer nicht verständlich machen können das er bitte das Fenster zu machen soll da es zieht.
Nach einiger Zeit bemerken wir dasweder der Tacho noch irgendwelche anderen Anzeigeinstrumente zu funktionieren scheinen. Was uns daran besorgt ist jedoch das das dem Fahrer Sorgen zu machen scheint. Er hält bei einem Laden an, was entfernt an eine Werkstatt erinnern könnte. Hat jedoch wohl kein Glück. Bei der nächsten “Werkstatt” haben wir wohl mehr Glück. Man versichert uns das es nicht länger als 20 Minuten dauert.
Wie schon befürchtet gibt es in Indien keine Reparatur die nur 20 Minuten dauert, außer evtl. Ein Birnchen tauschen. Nach einer Stunde die wir uns nun mit grummelnden Mägen in der Sonne rumgetrieben haben ging ich nachschauen. In einer ca. 2qm großen Werstatt tummelten sich ungefähr 5 ölverschmierte Mechaniker die die komplett zerlegte Lichtmaschine unseres Gefährts begutachteten. Ohne, ob de das Ding noch mal wieder zusammenbekommen? Überraschenderweise schafften sie dies sogar nur einer weiteren Stunde. Nachdem ich dann die absurde Bitte unseres Fahrers uns an den Reparaturkosten zu beteiligen abgelehnt hatte, ging es dann auch weiter.
Leider Gottes liegt Dharamsala und McLeod Ganj in den Bergen. Das heißt Serpentinen fahren. Kombiniert mit einem ständigen Übelkeitsgefühl und Schlaglöchern in denen man bequem italienische Kleinwagen parken könnte kein angenehmes Fahrgefühl. Langsam wird es auch dunkel, was uns nicht gerade mehr Mut macht, da die Abgründe neben der Strasse immer tiefer werden. Irgendwann passieren wir Dharamsala und die Hoffnung keimt wieder in uns auf, da wir gelesen haben das es von dort aus nur noch 10 km sind.
Wer sagt da er nach Dharamsala will fährt in den meisten Fällen nach McLeod Ganj, denn hier gibt es viele Guesthouses und hier liegt auch der Tempel und der Wohnsitz des Dalai Lama.
Nach den besagten 10 km hält unser Fahrer unverhofft an und verkündet das wir da sind. Peter fiel direkt fast den Abhang hinunter beim aussteigen, da unser Fahrer so nahe am Abhang gehalten hatte das man nur schwer noch um das Auto herum kam. Ich protestierte das wir zu unserem Hotel wollten und nicht in den Wald. Abermals kam ein ziemliches englisches Wortgewürfel von unserem Fahrer das ich diesmal so deutete, das unser Hotel nur 3 Minuten zu Fuß entfernt wäre und das er mit dem Wagen nicht in die Stadt dürfte. So etwas ähnliches meinte er wohl auch.
Keine 5 Minuten später erreichten wir auch das Hotel Green, ein kleines Guesthouse, das von Tibetern geführt wird, und das für die nächsten Tage unser Zuhause darstellt. Leider gibt es auch hier, wie eigentlich nirgends in Indien Heizungen, was bei nächtlichen Temperaturen um die 5 °C nicht unbedingt kuschlig ist.

Xmas in Amritsar

Heute schlendern wir gemütlich durch die Stadt und schauen uns die Altstadt etwas genauer an. Die Altstadt besteht aus vielen kleinen Sträßchen die neben den vielen Leuten, Mopeds, Rikschas und Autos mit Hunderten von kleinen Lädchen vollgestopft ist. Hier bekommt man an einem Stand, der aus einem alten Wagen zusammengezimmert ist für ganze 7 Rupees (ca. 10 Cent) einen hervorragenden Tee. Nur ein paar Meter weiter gibt es für 20 Rupees eine Schale mit leckerem Chana Masala mit Brot. Kulinarisch kann man sich hier echt verwöhnen lassen.
Abends gehen wir in den goldenen Tempel um uns die Schliessungszeromonie anzuschauen. Dort treffen wir auf eine Gruppe von jungen Sikhs die um uns ein Foto bitten und wir setzen uns dazu. So haben wir gleich 5 Moderatoren für das Spektakel.
Bei der Schliessungszeromonie wird das Heilige Buch der Sikhs aus dem goldenen Tempel in einer speziellen Sänfte aus dem Tempel in ein Nebengebäude gebracht und das Haupttor wird geschlossen. Morgens um 4.00 Uhr wird das Buch dann wieder in den Tempel getragen.
Nach diesem Ereignis erst mal hungrig kehren wir in die Langar ein, dem Speisesaal des Tempels, und lassen uns verpflegen. Es gibt heute ein Gemüse-Curry mit Reis, Chapati und Milchreis. Echt lecker. Anschließend entschließen wir uns wieder beim Abwasch zu helfen. Überrascht stellen wir fest das man uns noch kennt. OK, soo viele Westler scheinen hier wohl nicht auszuhelfen. Offensichtlich freut man sich aber über unser erneutes Auftauchen.
Wieder im Hotel wollen wir uns gemütlich zur Ruhe begeben. Allerdings macht mir da eine geringfügige Magenverstimmung einen Strich durch die Rechnung. Naja, das gehört wohl zu einer Indienreise dazu.

Amritsar

Da wir heute als erstes unsere Unterkunft wechseln wollen und erst um 12 Uhr aus dem Zimmer müsse ist erst mal Auspennen angesagt. Frisch und munter versuchen wir uns den maroden Zustand der Dusche wegzudenken, packen unsere Rucksäcke und wandern mit einem freundlichen “Good Bye” aus der Tür. Was der Gastwirt nur nicht weis, das wir ca 100 m um die Ecke direkt wieder einchecken 😉 unser neues Gasthaus MK Sood Guesthouse ist nicht nur sehr viel ordentlicher sondern auch noch günstiger. Frisch eingerichtet geht es nun in die Stadt. Wir lassen uns ein gutes Punjabi-Restaurant in der Stadt empfehlen und Dackeln los. Die Altstadt ist rund um den goldenen Tempel aufgebaut und hier ist alles noch enger als sonst schon. Wenn sich ein Auto durch die winzigen Gassen drückt, kann es schon mal sein, das man in einen Laden hinein muss, damit auf der Strasse genug Platz ist. Auch hier gilt: Wer hupt, gewinnt! Immer wieder überrascht uns was man aus 2 qm Ladenfläche alles machen kann. Teilweise nicht mal das, ein Hocker und ein paar Bretter und ein Topf, fertig ist die Teestube!
Das Restaurant finden wir natürlich nicht, und unverständlicherweise scheint es jedes mal wenn wir einen Eingeborenen fragen, an einem anderen Ort eröffnet zu haben. Nach knapp einer Stunde Odysee in den Fluten Amritsars Altstadt geben wir auf.
Um den Rest des Tages nicht genauso planlos umherzuwandern entschließen wir uns unseren neuen Freund Sunny anzurufen und uns am Nachmittag die Grenzschliessungszeremonie anzuschauen. Sunny verspricht, uns um halb drei an unserem neuen Zuhause abzuholen. Super bis dahin wird entspannt.

Überpünktlich empfängt uns Sunny vor unserem Guesthouse und wir traben los in Richtung seiner Rikscha, die er hier nicht parken kann. Er fragt uns ob wir das Memorial schon gesehen hätten. Ziemlich ahnungslos blicken wir uns an und verneinen vorsichtig. An einer ziemlich überfüllten Stelle der Strasse läuft unser Führer in einen Schmalen Gang. Wir waren zwar schon bestimmt dreimal an dieser Stelle vorbeigelaufen, den Gang hatten wir aber noch nicht bemerkt. Auf der anderen Seite des Ganges erschließt sich eine großes Parkareal!! Bei uns ist man ja eher gewohnt das man einen Park von außen irgendwie erkennt, und nicht das man eine Mauer ringsherum zieht. Genau durch diesen Fakt gelangte aber dieser Platz zu seiner traurigen Berühmtheit.
Hier hatten sich 5.000 Inder versammelt um friedlich zu demonstrieren. Die britische Besatzungsmacht schickte 150 schwerbewaffnete Soldaten auf den Platz der nur einen Zugang hat, die blind in die Menge schossen und Hunderte töteten. Die Einschusslöcher sind heute noch an der Rückwand sichtbar. 120 versuchten sich durch einen Sprung in den Brunnen zu retten, wurden jedoch auch durch die Soldaten erwischt.
Trotz der traurigen Geschichte dient der Park heute eher als Naherholungsgebiet für Familien die mit der Decke auf den Grünflächen sitzen und sich der Sonne erfreuen.
Wir ziehen unterdessen weiter zu Sunnys Autorikscha, mit der uns in gewohnt-halsbrecherischen Manier etwas aus dem Zentrum fährt wo sein Taxi steht. Wir steigen in sein Taxi der Marke Tata um und sein Bruder übernimmt unterdessen seine Autorikscha. Nun geht es ca. 30 min westwärts zur indisch-pakistanischen Grenze. Die Grenzschliessungszeremonie ist ziemlich bekannt und auch noch kostenlos ist, ist hier natürlich einiges los. Wo auch immer mehr als 5 Besucher ansammeln, hüpfen sofort ein paar Strassenhändler mit Snacks, kühlen Getränken und günstigen Andenken hinter dem nächsten Baum hervor. Und hier versammeln sich täglich ca. 1000 Personen zur Zeremonie.
Auch hier gibt es speziell für Ausländer eine extra Line in der man nicht warten muss und eine extra Tribüne sehr nahe am Tor. Die Stimmung wird durch extra Anheizer gesteigert die vor der Tribüne auf und ablaufen. Die brachiale Soundanlage würde jeden Diskobesitzer blass werden lassen. Die Massen toben und singen und brüllen Lobgesänge auf Indien. Viele haben sich das Gesicht bemahlt und haben Fahnen mitgebracht. Hier geht es zu wie auf einem Fußballmatch zweier benachbarter Regionalclubs.
Auf der pakistanischen Seite sieht es ähnlich aus, die Klänge etwas orientalischer, die Kleidung etwas verhangener aber ansonsten gleich.
Als die Zeremonie startet treten 8 Grenzsoldaten in traditioneller Uniform auf die Bildfläche, die einem das Nicht-Lachen schon irgendwie schwierig macht. Allein der Fächer der am Hut steckt ähnelt ein bisschen einem Pfau. Die Gangart toppt aber definitiv alles. In maßlos übertriebenen Stechschritt bei dem die Beine nach vorne bis kurz vor die Nase geschwungen werden und dabei möglichst laut aufgetreten, nein aufgetrampelt, wird, stechen die Soldaten einzeln vor zum Tor und schütteln der gegnerischen Seite die Hände. Ganz ehrlich, wenn irgendwo ein Ball gewesen wäre, hätte man Glauben können es handelt sich um eine neue Sportart. Am Schluß wird noch die Fahne eingeholt, gefaltet und in gewohntem stechen zur heimischen Bude transportiert. Und ohne große Vorwarnung war es das. Also traben wir mit der restlichen Masse zum Parkplatz zurück, wo uns Sunny an einem einheimischen Stand mit Masala-Tee und Snacks empfängt.
Für die Rückfahrt hat Sunny noch ein paar Überraschungen. Zuerst fährt er uns an der Verbrennungsstelle vorbei, wo die Vergangenen nach indischer Tradition verbrannt werden. Natürlich erst nachdem er sich bei uns rückversichert hat, das wir auch keine Bedenken wegen den Geistern haben!
Danach ist der Cave-Tempel auf dem Programm. Entgegen allen Erwartungen hat der Tempel nichts mit einer Höhle zu tun. Der Name kommt daher das man in den ersten Stock des Tempels in eine Art Labyrinth eintreten kann, das durch Wasserläufe, Spiegelhallen, Tierkopf-Eingänge und Röhren führt durch die man kriechen muss. Die Seiten sind immer mit Figuren von Shiva, Vishnu, Ganesha oder Brahma gepflastert. Also so ganz können wir uns einem Vergleich mit einer Geisterbahn nicht erwähnen. In diesem Tempel wird speziell eine Heilige des Hinduismus verehrt. Frauen mit Kinderwunsch kommen hier beten. Aber man kann auch gleich ein ganzes Auto vor den Tempel fahren und segnen lassen.
Nach der ganzen Tempelei fehlt noch ein ordentliches Abendessen und Sunny empfiehlt noch ein gutes lokales vegetarisches Restaurant (Dhaba) wo wir uns die lokale Spezialität bestellen die wir schon vorher empfohlen bekommen haben. Sehr lecker! Da das Restaurant in Laufweite zu unserer Unterkunft liegt schlendern wir gemütlich nach Hause.

Mit dem Zug nach Amritsar

Diesmal war das frühe aufstehen nicht eingeplant sondern ausschlafen. Aber weit gefehlt! Mit einem leisen zappel-di-Wisch und fikel-di-puff ging unser Heizlüfter in Flammen auf. Na DIE Heizstufe hatten wir aber nicht gewählt. Mit Hilfe einer ordentlichen Kanne Wasser aus der Dusche war unserem nächtlichen Feuerwerk Gott sei dank schnell ein Ende bereitet. Das nervige war nur der beißende Rauch. Also schnell den Balkon und die Tür zum Flur auf um mal ordentlich zu lüften. Als wir dem Hotel-Portier erzählen das gerade der Heizlüfter explodiert ist meint der nur kühl: “no prolem”! Klar, wie eben alles hier! Nach ca. 30 min lüften und Löschwasser aufwischen kann dann auch das Zimmer wieder bezogen werden. Und dann auspennen.
Nach einem kräftigen Brunch in unserer Bäckerei schlendern wir noch etwas durch die Stadt und schauen durch die Läden und Buchlädchen. Um kurz vor 5 organisieren wir uns wieder eine Rikscha zum Bahnhof und begeben uns auf die Suche nach dem richtigen Gleis. Das gestaltet sich allerdings etwas schwieriger als gedacht.
Als organisations-verwöhnte Deutsche hatten wir gehofft das es irgendwo eine Info geben würde an welchem Gleis unser Zug fahren wird aber weit gefehlt! Also laufen wir mit unserem kompletten Gepäck alle Gleise ab, und trotzdem kein Anzeichen von Info. Es gibt zwar Ansagen, aber die sind in Hindi oder nicht verständlich wegen der technisch absolut up-to-date Bose Surround Sound Anlage hier. Letztendlich fragen wir einen Turban-tragenden Sikh am Gleis 2 und sind doch direkt richtig. Diesmal haben wir allerdings nicht so viel Glück mit den Sitzplätzen denn wir haben noch jemand mit uns auf der Dreier-Bank. Zu dritt ist es dort schon recht eng.
Auch die Verpflegung ist in der 2. Klasse anders geregelt. Hier wird nichts kostenlos geliefert sondern an jedem Bahnhof steigen fliegende Händler ein die allerlei Köstlichkeiten feil bieten. So gibt es Chicken Nuggets, Tee, Popcorn oder Sandwiches.
In Amritsar angekommen geht das große juhu um die Rikschas los. Wir finden recht schnell einen jungen geschäftigen Inder namens Sunny der uns vertrauenswürdig vorkommt und er fährt uns galant zu unserem Hotel, nicht ohne uns seine Dienste führenden kommenden Tag anzubieten. Diesmal hatten wir mit dem Hotel nicht so viel Glück. Zwar toll gelegen, aber die Zimmer sind schimmlig und ziemlich abgerissen. Naja für eine Nacht wird’s gehen. Nachdem wir uns ausgebreitet haben, schauen wir uns erst mal nach einer neuen Bleibe um und werden auch schnell fündig. Direkt um de Ecke ist ein nettes kleines Guesthouse mit gepflegten Zimmern zu noch besseren Preisen. Also reservieren wir für den nächsten Tag und machen uns endlich auf zu dem eigentlichen Ziel des hiesigen Stopps, dem goldenen Tempel.

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Der “Golden Tempel” ist das größte Heiligtum der Sikhs. Im alten Stadtkern gelegen ragt der Goldene Tempel über alles hinaus. Man hat das Gefühl die ganze Stadt dreht sich ausschließlich um den Tempel. Da der Tempel 24 Stunden geöffnet ist können wir auch zu später Stunde noch hin. Alles was gefordert wird ist das man die Schuhe abgibt und seinen Kopf bedeckt. Der Tempel an sich ist ein kleines Gebäude in Mitten eines künstlich angelegtem Sees, dem “Lake of Nektar” das mit ca. 750 kg Gold Versehen ist. Hier wird jeden Morgen um 4:00 Uhr das Heilige Buch der Sikhs hingebracht und gelesen bis es Abends um 21:00 Uhr zurückgebracht wird. Generell sind die Sikh sehr offen allen anderen Religionen und Menschen generell gegenüber. So werden wir sehr häufig einfach freudig begrüßt, Willkommen geheißen oder einfach nur freundlich angelächelt.
Generell ist der Tempel nicht nur als Heilige Stätte angelegt sondern hat auch sehr praktische Aspekte. So gibt es Schlafräume für jedermann und eine Küche, die Langar, die 24 Stunden kostenloses Essen anbietet. Die Küche hier bereitet pro Tag zwischen 60.000 und 80.000 Essen zu. Das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Als wir uns der Küche auch nur nähern winkt man uns heran und lädt uns ein. Nachdem man mit Blechgeschirr bewaffnet wird setzt man sich in den großen Saal und bekommt solange Essen und Wasser bis an satt ist. Und das Essen ist echt gut. Es gibt Brot mit Curry und Joghurt. Wer möchte bekommt danach auch noch Tee. Gefragte Gegenleistung? Keine. OK, wer möchte kann etwas spenden oder beim Abwasch helfen. Wer so großzügig ist verdient Anerkennung und wir entscheiden uns für beides. Der Abwasch ist in 5 Becken aufgeteilt, also wird jeder Steller 5 mal abgewaschen, das Nenn ich mal Gründlichkeit. Wir bekommen das Gefühl das das wohl nicht viele Touristen machen, denn man ist sichtlich erfreut das wir helfen wollen. Entgegen allen Erwartungen macht es auch echt Spaß und wir scherzen viel mit allen anderen, naja innerhalb der Sprachbariere zumindest. Abschließend gibt es noch einen Tee und wir machen uns mit gutem Gewissen auf in unsere Bruchbude um zu schlafen. Genug für heute.

Mit dem Zug nach Chandigar

Um bereits 7:40 Uhr soll heute unser Zug zu unserer nächsten Station gehen: Chandigar. Halb schlaftrunken zahlen wir unser Hotel und lassen uns eine Rikschafahrt für 70 Rupees (ca. 90 Cent ) an den Bahnhof aufschwatzen, bei der das Ein-und Aussteigen länger dauert als die Fahrt. Naja, wenigstens mussten wir nicht nach dem Bahnhof suchen.
Freundliche Bahnmitarbeiter (ja, für einen Deutschen schwer vorstellbar, aber sowas gibt es hier!) fragen uns nach der Zugnummer und weisen uns den Weg zum richtigen Gleis. Punktlandung: als wir auf den Bahnsteig kommen fährt unser Zug auch ein. Recht schnell finden wir unser Abteil und richten uns häuslich ein. Neben den Tabletts am Stitz des Vordermanns gibt es auch Getränkehalter und Steckdosen. Richtig komfortabel. Wir sitzen alleine zu zweit in einer Dreier-Sitzreihe und so haben wir auch genug Platz.

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Kaum sind wir losgefahren fangen die fleißigen Zugbegleiter ihr Tagwerk an. Unermüdlich schleppen sie eine Sache nach der anderen an. Zuerst gibt es für jeden eine Flasche Wasser:kostenlos. Als nächstes ist Tea-Time (das Erbe der Briten ist eben nicht zu übersehen) und es gibt Tee und dazu Gebäck. Keine 10 Minuten nachdem die Tee-Tassen abgeräumt sind wird das Frühstück aufgefahren. Hier können wir aus verschiedenen Gerichten wählen. So langsam vermuten wir das man uns in die erste Klasse gebucht hat. Gerade scherzen wir, das man in Indien häufige Zugfahrer anscheinend an ihrem Umfang erkennt, da wird wieder Tee serviert. Anschließend ist aber erst einmal Ruhe und wir genießen die immer grüner werdende Landschaft die vorbei zieht. Zugfahrten in Indien ist wirklich ein Erlebnis. Aufgrund der Strassenverhältnisse ist es die günstigste und oft auch schnellste Option um von einem Ort zum nächsten zu kommen. Das wissen auch die Inder zu schätzen und zwar alle wie es scheint.
In Chandigar angekommen wird schon aus 25 m Entfernung Verhandlungen mit uns aufgenommen wegen der benötigten Rikschafahrt. Da wir nach 5 min schon ca. 8 Fahrer um uns rum stehen haben, haben wir eine gute Verhandlungsposition, und schmälern den Preis von 200 auf 100 Rupees.
Unser Hotel Satyadeep liegt über einer kleinen Bäckerei die auch von Lonley Planet empfohlen wird. Die wird auch sofort getestet, nachdem wir einen ersten Erkundungsausflug in die Gegend gestartet haben. Die Snacks sind nicht nur günstig, sondern auch Super lecker! Kleine gebackene Teigteilchen mit Joghurt und Honig oder einfach nur Brot aus Kichererbsenmehl mit einem Curry: alles gut! Dazu selbstverständlich Masala-Tee.
Jetzt gilt es nur noch zu sehen wie wir am nächsten Tag weiterkommen nach Amritsar. Hier hat ein kleiner Laden unsere Aufmerksamkeit erregt der damit wirbt Bus- und Zugtickets zu buchen. Prima, genau das brauchen wir. Auf unsere Frage ob er ein Zug oder Busticket nach Amritsar habe antwortet er auch widerwillig mit ja und bietet uns ein Zugticket für Rs 200 (~2,20 €) an. Super, das nehmen wir, jetzt nur noch bezahlen, ausdrucken und gut ist, dachten wir in unserem westlichen Leichtsinn. Haha, weit gefehlt das Buchen und mehrere Druckversuche zogen sich dann doch über knapp eine Stunde hin. In dieser Zeit versammeln sich doch einige wohl Freunde des Besitzers in dem knapp 3 qm großen Kabuff zum gemeinsamen fernsehen. Es läuft ein ernstgemeinter Indischer Actionfilm, der aber von der Machart nur Lachkrämpfe hervorrufen kann!

Nach dieser schmackhaften Stärkung und einem mehr oder weniger erfolgreiches Zugticket, wird es Zeit für ein wenig Sightseeing. Für heute haben wir uns den “Nek Chand Fantasy Rock Garden” ausgesucht.
Nach nur wenigen Minuten ist es uns gelungen einen lokalen Rikscha-Fahrer anzuhalten und ihm irgendwie verständlich zu machen wo wir hinwollen. Auch ein fairer Fahrpreis lässt sich mit unserem Verhandlungsgeschick schnell vereinbaren. Eine wilde Fahrt durch die quadratisch angelegten Strassen später stehen wir vor dem Garten. An dem Ticket-Häuschen laufen wir erst mal geschickt 2mal vorbei, da es aus zwei kleinen Fenstern auf Hüfthöhe besteht. Die Mühe hier ein Schild aufzuhängen das darauf aufmerksam macht das es hier Tickets käuflich zu erwerben gibt, hielten offensichtlich auch alle für überflüssig! Umso erfreulicher der erschwingliche Eintrittspreis von Rs 20 (~ 25 Cent).

Der Gründer Nek Chand war ein etwas gelangweilter Strassenaufseher in Chandigar, der anfing aus weggeworfenen Elektro- und Kleinteilen Skulpturen zu bauen. Und so wandeln wir auf einem schmalen Pfad zwischen Wänden aus Blechtonnen oder aus Lichtschaltern, Figuren aus Fliesen- oder Kloschüsselresten. Aber nicht nur kleine Stücke, sondern gewaltige Gebilde und Felsformationen aus Sandsäcken und dazwischen riesige tosende Wasserfälle. So kann man problemlos stundenlang in dieser bizarren Welt umherwandern.
Nach ca. 1,5 Stunden reicht es uns dann aber doch und wir treten die Heimreise an. Diesmal jedoch nicht in einer Rikscha sondern zu Fuß, da wir ja auch noch etwas von der Stadt mitbekommen wollen. Also schlagen wir uns querfeldein durch die Wohngegenden, was in dieser für Indien sehr untypische Stadt nicht all zu schwierig ist, da sie komplett in Quadrate angelegt ist.
Unser Weg führt durch eine komplett andere Welt als wir sie bisher gesehen haben. Riesige Prunkbauten, Einfahrten in denen man problemlos 10 Luxusautos parken kann, was hier auch unter Beweisgestellt wird und Pools umgeben von grünen Gärten. Auch gibt es hier richtige Gehsteige und Kinderspielplätze die wir bis jetzt vergeblich gesucht haben. Die meisten Schilder verraten das hier hauptsächlich Anwälte wohnen, wahrscheinlich weil in Chandigar das Amtsgericht des Bundesstaates ist.
Unter anderem geraten wir in die bis jetzt einzige indische Einkaufsmeile mit Fußgängerzone die schon fast an westliche Anlagen erinnert.
Dank der quadratischen Anordnung der Strassen und unseren guten Orientierungssinn finden wir sogar auf direktem Weg nach Hause. Hier kaufen wir im nahegelegenen Supermarkt noch zwei Flaschen Wasser und machen es uns im Zimmer gemütlich. Da es hier in Chandigar doch schon etwas frisch ist und indische Gebäude nicht mit Heizungen ausgestattet sind hat man uns ein altes klappriges Heizgerät aufs Zimmer gestellt, das zumindest etwas gegen die Kälte hilft.

Roadtrip zurück nach Dehli

Auch heute soll es mal wieder früh los gehen, da wir ein gutes Stück Strasse vor uns haben.
Zum letzten mal zieht es uns zum reichlich gedeckten Frühstückstisch. Gut gestärkt mit Masala-Tee, Chapati und Früchten erwartet uns vorm Hotel schon unser fahrwütiger Fahrer Raju.
Durch die ebenso vollen, man glaubt kaum was hier morgens um 8 schon los ist, wie staubigen Strassen der Stadt geht es Richtung Dehli.
Unser erster Halt kommt allerdings schon nach nur 10 km. Der Gajlta-Tempel oder auch “Affen-Tempel” genannt ist ein Tempel vor den Türen Jaipurs der dem Affengott Hanoman gewidmet ist. Ebenfalls Hüpfen darin ca. 200 lustig fidele bis freche Makaken-Affen herum und versuchen etwas von den Touristen und Gläubigen zu ergattern. Der Weg dorthin führt durch ein Stück Wald in dem auffallend viele Stiere herumstehen. Das stört unseren Fahrer erst mal gar nicht und er fährt so als wäre niemand auf der Strasse. Das wir am Schluß nicht ein oder zwei Tiere auf der Motorhaube haben kann nur dem Zufall zugeschrieben werden oder die Viecher sind hier wirklich eine Reinkarnation irgendeines Gottes und einfach nicht wirklich da.
Beim Eingangstor des Tempels sitzt ein alter Mann und verkauft Erdnüsse für die Affen. Wohlweislich kaufen wir eine Tüte “Affen-Bestechungsmittel” und wagen uns hinein. Gleich am Anfang sitzen schon viele Affen und schauen uns misstrauisch an, halten aber noch Abstand.
Der Tempel an sich ist nicht wirklich beeindruckend und besteht aus mehreren Gebäuden, die teilweise in den rohen Stein geschlagen sind. Wir Streifen also durch das Areal und finden einen kleinen angelegten Teich hinter einem Gebäude. Wir laufen an dem Gebäude vorbei und schauen in eine offenstehende Tür und schauen einem 500 kg schweren Bullen ins Gesicht, der sich jedoch tiefenentspannt keinen Meter rührt: Glück gehabt.
Eine Treppe höher finden wir einen Schlangenbeschwörer der uns seine Dienste mit Flöte und Schlange zeigt. Die Königs-Cobra hat nach seinen Angaben keine Zähne mehr, aber so ganz verlassen wir uns nicht auf seine Englisch-Kenntnisse und legen sie uns lediglich auf die Schultern.
Immer wieder traut sich ein Affe näher und uns wird langsam mulmig da die Kameraden hier definitiv in der Überzahl sind.
Knapp neben uns stehen ein paar Inder die Opfergaben für den Affengott mitgebracht haben. Genau das hat einer der Affen dann wohl falsch verstanden, schlich sich von hinten an und riss dem Gläubigen die Tüte Zuckerzeug aus der Hand und nahm sie mit auf den Felsen, wo er sich mit ein paar Kollegen beriet wie man denn die Tüte jetzt am besten öffnet.
Bevor sich die anderen Affen ein Beispiel daran nahmen, packten wir lieber zusammen und machten uns Richtung Ausgang.
Hier hat die Affenbande natürlich gewartet und geplant uns unsere Erdnüsse abzunehmen. Glücklicherweise kommt jedoch ein Bewohner des Tempels und scheucht die Bände in den Tempel und wir können unsere Mitbringsel an ein paar übrige Gesellen verfüttern. Bei der Gelegenheit finden wir dann auch gleich raus das auch Streifenhörnchen, Hunde und Stiere nicht nein zu einer gelegentlichen Erdnuss sagen.
Dann setzten wir unsere Fahrt nach Dehli fort, da die je nach Stau- und Nebelaufkommen bis zu 7 oder 8 Stunden dauern kann. Lediglich für einen Snack an Kacholis, ein kleiner frittierter Klumpen aus Kartoffeln, Gemüse und Gewürzen, und zu einem Mittagessen halten wir an. Für das Mittagessen hat unser Fahrer ein Restaurant auserkoren. Da er auch in den letzten beiden Tagen einen ausgezeichneten Geschmack bewiesen hat, Vertrauen wir ihm blind.
Das das “Restaurant” wirklich lokal ist merken wir an den Blicken der übrigen Besucher. Man schaut uns an wie Außerirdische und zeigt mit dem Finger auf uns, naja aber die meisten freuen sich sichtlich mal einen Westler oder Touristen zu sehen. Das Essen ist mal wieder fabelhaft! Also kochen können sie hier definitiv! Neben Blumenkohl, Kichererbsen und Joghurt gibt es auch wieder leckeres frisches Brot und anschließend den obligatorischen Masala-Tee. Und das ganze für 3 Personen für ca. 8 €.
Derart präpariert dauert es natürlich keine 10 Minuten bis wir im Auto einschlafen und der Rest der Fahrt vergeht wie im Flug. In Dehli angekommen verabschieden wir uns von unserem Fahrer Raju und beziehen unsere alte Unterkunft das Amax Inn. Den Rest des Abends verbringen wir damit einen funktionierenden Bankautomaten aufzutreiben, was in Dehli schon einmal gut und gerne 2 Stunden dauern kann, und auf der herrlichen Dachterasse des Hotels.

Jaipur: Die Rosa Stadt

Schon früh morgens um 8 Uhr soll es losgehen und wir wollen die Hauptstadt von Radjastan erkunden. Wir stärken uns also vorher noch am Reich gedeckten Frühstückstisch unseres luxuriösen Hotels. Hier gibt es hauptsächlich traditionelles Indische Frühstück. Puhrri, kleine gebackene Teigfladen, und verschiedene Currys. Mal was anderes eben. Das kleine Mini-Croisant hinterher können wir uns dann doch nicht verkneifen.
Um 8 Uhr treffen wir dann unseren Guide für den Tag und Raju. Durch den dichten, wie immer chaotischen, Verkehr Jaipurs geht es dann Richtung Altstadt. Schon auf der Fahrt dorthin fällt auf das fast die ganze Innenstadt in rostrot gestrichen ist. Das hat ihr auch den Namen “Pink City” eingebracht. Mit verschiedenen Farbtönen nimmt man es hier nicht so genau 😉
Wir halten als erstes am “Palast der Winde”, eine von der Strasse aus sichtbare Palastmauer, die durch viele Fenster auffällt, die mit dichten Marmorgittern versehen sind. Der Grund für den Bau war der Grundsatz das die Königinnen des Maharadschas niemand öffentlich sehen durfte. Das wurde den Damen wohl schnell zu langweilig in ihrem Palast und man baute eine Palastwand hinter der die Damen nicht sichtbar waren aber so dennoch den Basar vor dem Palast beobachten konnten.
Anschließend ging es schon zu Jaipurs Highlight dem “Amber Fort”, der Wohnsitz der Maharadscha von Radjastan. Das Fort liegt auf einer Bergkuppe, taktisch clever gelegen. Umgeben wird es von einer 25 km langen Schutzmauer die optisch an die chinesische Mauer erinnert. Nach oben gibt es nur 3 Möglichkeiten: zu Fuß, mit dem Elefant oder mit dem Jeep. Aus Kosten- und Zeitgründen entscheiden wir uns für die maschinelle Option und schunkeln unbequem hinten auf dem Jeep dem Fort entgegen. Oben angekommen führt uns unser Guide gekonnt durch die Räumlichkeiten. Auch hier fallen wieder die “Must-haves” eines jeden Forts auf: öffentliche Audienzhalle, private Audienzhalle und Gärten.
Und auch in diesem Fort begeistert die fortschrittliche Nutzung von Technologien: So hat man zum Beispiel drei verschiedene kleinere Bauten zwischen dem See und dem Fort gebaut und das Wasser durch ein raffiniertes Pumpsystem von Plattform zu Plattform und schließlich ins Fort gepumpt. Hier wurde das Wasser genutzt um Räume zu kühlen oder durch unterliegende Räume durch Feuer erhitzt und als Badewasser oder Dampfbad verwendet.
Besonders schön zu sehen ist die Entwicklung bei den Baustilen. Hatte der erste Maharadscha noch ausschließlich Hinduistische Elemente, wie Elefanten- und Lotus-Motive beim Entwurf verwendet, so hatten bei den späteren Maharadschas durch gute Beziehungen auch Muslimische Elemente Einfluss wie zum Beispiel Sternmuster oder Rosen.
Auf dem großen Vorplatz des Forts gibt es in einem der oberen Räume des anliegenden Gebäudes extra einen kleinen Balkon in dem die Musiker saßen die zu Ehren der Ankunft des Maharadschas einen bestimmten Rhythmus spielen. Dieser Rhythmus wird auch heute noch für die Besucher gespielt.
Auf dem Weg zurück in die Stadt kommen wir an Jaipurs Wasserpalast vorbei. Ein großer Palast in der Mitte eines Sees. Das Anwesen das bis zu drei Stockwerke unterhalb der Wasseroberfläche bietet ist leider für die Öffentlichkeit nicht zugänglich und so müssen wir lediglich mit einem Foto und einem tollen Eindruck weiterziehen.
Zurück in der Stadt schauen wir uns noch einige der Kunstformen an für die Jaipur bekannt ist. In der Weberei dürfen wir ein kleines Stück Stoff selbst bedrucken. In einem Gewürzladen reicht man uns noch ein Tässchen Masala-Tee, an den ich mich hier echt gewöhnt habe. Ein weiteres Tässchen Tee können wir auch nicht ausschlagen. Als Spezialität reich man uns einen Tee der nur aus heißem Wasser, drei Fäden Safran, ein kleines Stück Zimt und zwei zerdrückten grünen Kardamom-Körnern besteht: Köstlich!!
Wir werden in einem Restaurant abgesetzt, das ganz offensichtlich nur für Touristen gedacht ist. Da der Kellner sehr nett ist, sich sehr über unsere zwei Brocken schlechtes Hindi freut, die Preise nicht überteuert und vor allem das Essen sehr lecker ist, beschweren wir uns nicht.
Dermaßen gestärkt geht es nun in die Altstadt von Jaipur und wir halten am Observatorium. Dank unseres günstig erworbenen Kombo-Tickets muss hier auch kein Eintritt mehr gezahlt werden.
Was uns hier erwartet überrascht uns ein wenig: bereits 1728 hatte man hier angefangen in einem großen Areal gigantische Meßinstrumente zu errichten. Die Sonnenuhr am Eingang ist noch ein gängiges Werkzeug. Die Instrumente dahinter jedoch nicht mehr ganz so gängig. Mit viel Aufwand und Geschick kann man hier Umlaufbahnen der Planeten, Sonnenstellung, -drehung und -neigung messen. Das bemerkenswerteste Stück ist die Weltweit größte Sonnenuhr mit deren Hilfe sich die Uhrzeit bis auf 2 Sekunden genau bestimmen lässt!
Gleich gegenüber liegt der City-Palast, der ehemalige und aktuelle Wohnort der Maharadschas. Darin sind unter anderem mehrere Museen untergebracht. Die Räumlichkeiten im Eingangsbereich stellen Kleidungsstücke und Gebrauchsgegenstände aus. Darunter finden sich einige lustige Besonderheiten wie das 9 kg schwere Kleid der Frau des Maharadschas oder die (ungelogen) knapp 2 Meter breite Hose eines etwas schwergewichtigen Maharadschas der über 250 kg gehabt haben soll.
Das nächste Gebäude bietet einen Einblick in die Waffenwelt der Armee des Maharadschas. Hier entdeckt man allerlei Säbel, Pistolen und Kanonen. Ziemlich genau so wie man sich das in einem Alibaba-Film vorstellt.
In der öffentlichen Audienzhalle, ja die gab’s auch hier, steht dann der nächste Weltrekord: das größte silberne Gefäß der Welt. Ein Maharadscha lies knapp 40.000 Münzen einschmelzen um die beide Gefäße zu fertigen. Tja extravagant konnten die halt schon immer.
Dahinter liegt dann der nicht öffentliche Teil, der vom aktuellen Maharadscha-Nachkommen bewohnt wird. Man erzählt uns zwar noch das man das gegen eine gewisse “Spende” ansehen könnte, sind uns aber nicht sicher ob der Maharadscha unseren Besuch verdient hat, und lehnen deswegen weltmännisch ab.
Zum Abendessen, denn es wird langsam dunkel und wir sind doch etwas erschöpft, zieht es uns wieder in das einheimische Restaurant vom Vortag. Diesmal dürfen wir bereits in den Stockwerk der für die Familie reserviert ist, wir sind also aufgestiegen 😉 unser Fahrer Raju bestellt lustig vor sich hin, und wir sind gespannt was uns erwartet. Für heute haben wir uns für vegetarisch entschieden.
Die Kellner haben alle Hände voll zu tun die vielen Schüsseln, Teller und Platten ranzuschaffen. Es gibt Linsencurry, eine Joghurt-Sauce, Wasserbüffel-Käse in verschiedenen Gewürzen, Lamm in Gewürzen (Raju hält nicht viel von vegetarisch) und natürlich leckeres Chapati, das Fladenbrot der Inder.
Nachdem Raju auf dem Heimweg fast überfahren wurde schlendern wir über die Metro-Baustelle nach Hause. Morgen früh soll es schließlich auch wieder früh losgehen zu Galta-Tempel und danach zurück nach Dehli.

Indonesien Trip