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Bali: Hautnah

Leider sind wir immer noch auf deutsche Zeit eingestellt und wir werden lange vor dem Frühstück wach. Nach unserem bekannt tollen Frühstück legen wir uns noch mal kurz hin um den Schlafmangel auszugleichen.
Um 9:30 Uhr holt uns Made vor unserer Unterkunft ab. Nachdem er uns mit Trinkwasser versorgt hat und die sehnlichst erwartete Klimaanlage eingeschaltet hat, geht es los.
Der riesige Minivan quält sich durch die überfüllten Straßen der, für einen Sonntag sehr gefüllten, Gegend.Unser erstes Ziel ist eine kleine Gewürzfarm die wir nach ungefähr einer halben Stunde erreichen. Hier begrüßt uns ein 21-jähriger Balinese der uns durch das zugewachsene Areal führt. Zuerst zeigt er uns zwei Käfige mit Luwaks, wiesel-artige Geschöpfe, die bei der Kaffee-Produktion helfen. Sie fressen die reifen Kaffeebohnen direkt vom Strauch und schlucken diese ohne sieh zu kauen. Die Luwaks leben frei auf der Plantage und lassen ihre Hinterlassenschaften dann einfach zurück wo sie gerade auf dem Baum sitzen. Die Kaffeebauern laufen dann morgens (Luwaks sind Nacht-aktiv) durch die Plantage und sammeln diese Hinterlassenschaften auf. Die Kaffeebohnen werden im Verdauungstrakt der Tiere fermentiert in einer Art und Weise, die man noch nicht nachahmen kann. Der übrige Prozess
ist dann gleich wie bei regulärem Kaffee.
Unser Guide führt uns zu einem Tisch auf dem sich geröstete Kaffeebohnen, Zimt, Zitronengras und Ingwer befinden. Alles Gewürze die auf der Farm angebaut werden. Entlang einem schmalen Pfad entdecken wir links und rechts immer wieder bekannte Pflanzen: gelbe Ananas, rote Ananas, Kaffeepflanzen, Bananen und weitere essbare und nicht-essbare Pflanzen.
In einem kleinen Pavillion bekommen wir dann zwölf verschiedene Tees und Kaffees zum probieren angeboten. Unter anderem Kokusnusskaffee, Mangosteen-Tee, Zitronen-Tee, Ingwer-Kaffee und Kokusnusskaffee. Den Luwakkaffee muss man extra bezahlen, aber das lassen wir uns trotzdem nicht entgehen.

Die nächsten Haltepunkte sind weniger spektakulär. Eine Silberschmiede, eine Kunstmalerei und eine Holzwerkstatt, selbstverständlich immer mit einem fleissigen Verkäufer dabei, aber wir wollen unserem Fahrer Made auch nicht seine Provision fürs vorbeibringen vermiesen.

Der nächste Halt verspricht wieder mehr, es geht zu einem Tempel einer Kaste der gerade Tempelfest feiert. Da hier ein Großteil der Bevölkerung (80%) hinduistisch ist, gehören viele einer Hindu-Kaste an. Die erste Kaste ist die Kaste der heiligen Männer deren Farbe Schwarz ist. Deswegen haben Tempel oder heilige Bäume auch oft ein schwarz-weiß kariertes Tuch umgebunden. Die zweite Kaste (Farbe: Gelb/Gold), zu der auch Made gehört, ist die Kaste der Könige. Die letzte Kaste ist die der Bauern. Es wird immer wieder betont das alle Kasten aller anderen bedürfen und das alle gleich wichtig seien.
Made hat extra Sarongs, die landestyptischen Röcke für Männer und Frauen, für uns eingepackt, da man Tempel nur mit vollständig bekleideten Beinen betreten werden dürfen.

Dermaßen ausgestattet betreten wir den Tempel der über und über mit goldenen Tüchern behängt ist, da dies ein Tempel der zweiten Kasten ist. Hier werden gerade die 5-tägigen Festlichkeiten beendet. Tücher werden abgehängt und die Opfergaben, die überall feinsäuberlich aufeinandergestapelt sind eingesammelt. Es gibt fast keine Säule oder Statue die nicht in Tuch gehüllt, geschmückt oder bemalt ist. Es ist wirklicht beeindruckend mit welcher Hingabe Hindus riesige Tempel bauen und diese mit viel Aufwand betreiben.

Der nächste Halt ist wieder ein natürlicher und geht zu den berühmten Reisterassen von Ubud. Auf dem Weg dorthin zeigt uns Made immer wieder Opfergabentische auf denen Angehörige der zweiten Kaste große Mengen Opfergaben angehäuft haben. Lustigerweise alle in rote Plastiktüten gepackt, denn mittlerweile regnet es.

Regen in Bali kommt innerhalb von Minuten, sprich vom sichtbaren Horizont bis es beginnt, Es regnet auch nicht einfach, sondern schüttet als würde Shiva selbst einen Eimer ausgießen. Allerdings ist er auch genauso schnell wieder vorbei. Und im Handumdrehen ist es wieder strahlend blauer Himmel.

Von strahlendem Himmel sind wir allerdings noch weit entfernt. Nach kürzester Zeit steht das Wasser an manchen Stellen bis zu 30 cm hoch. Die Wasserkanäle die das Wasser zu oder von den Reisfeldern führen sind zu reissenden Sturzbächen geworden. Abruppt hält unser Fahrer an und wir entdecken einen umgestürzten Baum auf der Straße. Irgendjemand hat aber wohl schon Hilfe geholt denn zwei Rollerfahrer in Plastikponchos gehüllt machen sich bereits mit einer mitgebrachten Motorsäge daran zu schaffen. Innerhalb kürzester Zeit ist die Straße wieder frei. Made hält an einem kleinen Café wo wir abwarten bis der Regen nachlässt. Gott sei Dank ist Made auf alles vorbereitet und zaubert zwei Regenschirme aus seinem Kofferraum. Das Café liegt an der Seite eines Tals, und von hier aus hat man bereits einen tollen Überblick über die Reisterassen.

Nach einem stärkenden Tee geht es dann in die Terassen angeführt von Made.Auf einem kleinen Trampelpfad geht es entlang eines Wasserkanals, das das für die Reisfelder so wichtige Wasser führt. Der Trampelpfad verjüngt sich nach einigen Metern allerdings auf gerade mal 20 cm Stein-Einfassung des Kanals. Da es vom Regen recht nass ist und der ab und zu angrenzende Boden auch eher einem Sumpf, und drauftreten scheint keine Gute Idee. Wir folgen dem schmalen Pfad bis ans Ende des Tals und genießen den atemberaubenden Ausblick auf unzählige Stufen der Reisterassen. Made erklärt uns den Reisanbau in einem Detailgrad das wir uns fast gewappnet fühlen den Abschluss in Reisanbau abzulegen.

Das Wasser wird in mehreren Stufen durch die Reisfelder ins Tal geführt. In einem 2m x 2m Quadrat werden Jungpflanzen gezüchtet und diese später hier auf die Felder ausgebracht. Die Aufzucht der Pflanzen dauert vom ersten Planzen bis zur Ernte ganze drei Monate. Allerdings werden nur drei Zyklen pro Jahr gepflanzt. Dazwischen geht der Reisbauer meist mit einem Wasserbüffel durch die Felder und pflügt um zu “recyceln” wie uns Made erklärt.
(Da ich nicht glaube, dass einer der Leser einen Abschluss in Reisanbau ablegen möchte, wurden die Erklärungen hier drastisch gekürzt.)

Der nächste Stop ist die Kulturhauptstadt von Bali: Ubud. Hier finden sich neben den regulären Touristen hauptsächlich Yoga-Jünger wieder auf der Suche nach Ausbildung oder Rückzug. Bekannt ist dieser Treffpunkt spätestens seit Elisaeth Gilberts Bestseller “Eat, pray, love”.
Auf dem Weg durchqueren wir das balinesische Hinterland und wir bekommen einen Eindruck wie es der regulären Bevölkerung geht, abseits von touristischem Treiben. Viele Reisfelder, immer wieder Märkte, kleine “Alles-was-du-brauchst-Lädchen” und das für Asien typische Leben an der Straße.

In Ubud angekommen haben wir noch ca. eine Stunde bevor wir zurück müssen. Kurzerhand entschließen wir uns den touristischen Geschäften den Rücken zu kehren und lieber dem nahe gelegenen Affen-Wald einen Besuch abzustatten.

Der Eintritt von gerade mal 40 Rupias (2,50 €) schreckt nicht gerade ab. Auf diesem riesigen Areal leben über 675 Affen in 6 Gruppen frei. Besucher kommen allerdings auf ihre Kosten da kleine Stände Bananen den Touristen verkaufen, die dann den Affen verfüttert werden können. Alle paar Meter steht ein Angestellter des Parks mit einem langen Eisenstab, der die Affen in ihre Schranken weisen soll, wenn diese zu frech werden.

Die Affengruppen sind benannt nach ihren Lebensorten, so gibt es Water-Tempel-Gruppe und eine Holy-Tree-Gruppe. Überall sieht man freche Affen umherspringen die sich gegenseiteig jagen, ärgern oder auch dem ein- oder anderem Tourist etwas aus dessen Rucksack klauen. Von Affen-Babies bis hin zu Großeltern sieht man hier alles. Dem Treiben könnte man stundenlang zusehen. Leider ist unsere Zeit bald um und es sieht auch mal wieder nach Regen aus. Also suchen wir den Ausgang. Da das Gelände wirklich groß ist und es mehrere Ausgänge gibt, ist das gar keine so leichte Aufgabe. In der Tat finden wir den richtigen Ausgang erst auf Umwegen. Mittlerweile hat es auch angefangen zu tröpfeln. Dankenswerter Weise ist der Parkplatz auf dem unser Fahrer steht auch nur noch 100 m entfernt.
Auf den restlichen 75 m die wir bis zum Auto noch hatten, hat es nach balinesichen Regeln angefangen zu regnen und wir kommen so nass an, als wären wir gerade einer Dusche entstiegen.

Die einstündige Heimfahrt können wir gut gebrauchen um uns halbwegs zu trocken. Da wir nun endgültig vom Tag erledigt sind beschließen wir in unser neues Lieblingsrestaurant zu gehen, das “Warung Little Bird”, das auch noch direkt neben unserer Unterkunft liegt. Warung bedeutet so etwas ähnliches wie Bistro, und dieses Bistro ist eine Mischung aus
Indonesisch traditioneller Küche und coolem Surfladen. Alles ist aus Holz gefertigt und die Mannschaft vom Koch bis zur Bedienung hat sichtlich Spaß an ihrem Job. Das Essen ist ebenfalls phantastisch. Wir bestellen Nasi Goreng (gebratener Reis) und Satee Ayam (gegrillte Hähnchenspieße mit Erdnusssauce), dazu einen Bananen-Smoothie.

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