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Camiguin – Teil 1

Heute wollen wir unsere neu eroberte Insel etwas erkunden. Dazu braucht es erst mal ein Frühstück und wir lassen uns auf das angebotene Frühstücks unserer Unterkunft ein. Für 120 Pesos (2,40 €) bekommen wir ein tolles Omelette mit Tomaten und Käse und dazu zwei Scheiben des hausgebackenen Brotes! Das erste Mal richtiges Brot seit knapp 2 Wochen. Das übrige Backwerk in den Philippinen ist oft übelst süß und selbst Burger werden auf süßen Brötchen serviert! Igitt! Das Brot hier ist hervorragend und weist schon auf die österreichischen Besitzer des Hostels hin. So gestärkt besteigen wir unsere neugewonnene zweirädrige Freiheit und wollen zuerst die Katibawasan-Falls erobern.
Über den „Highway“, wie hier die Inselrundstraße liebevoll genannt wird nähern wir uns der richtigen Abfahrt, die uns Sunny dankenswerterweise schon gezeigt hatte, und fahren dann in Richtung Landesinnere. Hier kommen wir an paradiesisch schönen Landschaften vorbei. Am Wegesrand könnte man jederzeit Bananen oder Kokosnüsse mitnehmen, gemäß dem Fall man klettert die 20 Meter bis zur Spitze. Alles ist grün, Planzen verschiedenster Art stehen hier wild durcheinander. Zwischen drin immer mal wieder eine Hütte, ein Reisfeld, Kühe oder winkende Menschen. Die Freundlichkeit hier ist unglaublich. Wildfremde Menschen grinsen, freuen sich und winken wenn man vorbei fährt. Zuerst glauben wir die Menschen möchten etwas verkaufen oder um Geld betteln, aber das ist vollkommen falsch. Sunny hat uns erzählt die gängige Begrüßung hier auf Camiguin ist „Hi Friend“, und das bekommt man auch zu spüren.
Nach 4 km landeinwärts haben wir die Wasserfälle erreicht. Wir stellen unser Moped ab und zahlen den Eintritt von 30 Pesos (60 Cent). Da sich die Eintrittspreise echt im Rahmen halten, macht es uns nicht viel aus, diese zu bezahlen.
Kaum treten wir unter den Bäumen hervor, die das Eintrittshäuschen umgeben, ragt das Ende der Schlucht vor uns auf. Die Wassermassen sind jetzt nicht berauschend, aber aus 70 Metern Höhe bietet sich trotzdem ein tolles Schauspiel. Die Felswände sind über und über mit Grün überwachsen und Vögel umschwirren immer wieder den Wasserfall und die Felswände. Unten sammelt sich das Wasser in einem kleinen Becken und schimmert leicht Türkis. Es gibt sogar Umkleidekabinen. Das Drumherum ist zwar etwas zu plump mit viel Beton geformt worden, nimmt aber dem eigentlichen Wasserfall trotzdem nichts.


Vor dem Eingang gibt es einige Stände die verschiedene Snacks anbieten. Darunter am Holzspieß gegrillte Kochbananen und ein dünnes Fladenbrot aus Kartoffeln (Kiping) über das ein recht süßer Sirup gegossen wird. Beides sehr lecker. Derart gestärkt machen wir uns auf zur nächsten Station unseres heutigen Trips, den „Arden Hot Springs“.
Die „Arden Hot Springs“ liegen nur ca. 3 km weit entfernt von unserer Unterkunft. Hier sprudelt ca. 40 °C heißes, schwefelhaltiges Wasser aus der Erde. Nicht verwunderlich, wenn man bedenkt das wir auf einer Insel mit nicht weniger als 7 Vulkanen sind. Am nächsten liegt hier der Vulkan Hibok Hibok, der 1952 das letzte Mal überraschen ausgebrochen ist und damals viele Menschenleben gekostet hat.
Quellen, egal ob heiß oder kalt werden hier oft einfach als öffentliche Schwimmbäder angesehen, und so wird auch hier wieder ein Eintritt von 30 Pesos erhoben. Wochenendes ist dies ein beliebtes Ausflugsziel und wir sehen viele Familien die mit Picknick angereist sind.
Das schwefelhaltige Wasser, das für einige Erkrankungen als sehr heilsam bekannt ist, wird von den Quellen durch verschiedene Becken geleitet. So entstehen 6 oder 7 verschiedene Becken die jeweils eine andere Temperatur haben. Von 40 °C bis hin zu 33 °C kann man wählen. Die Becken selbst sind aus Natursteinen gebaut, die mit Beton verbunden sind. Es wirkt jedoch recht natürlich. Da die Becken direkt in der freien Vegetation stehen sind große Netze über die Becken gespannt, damit fallendes Blattwerk das Badeerlebnis nicht trübt.
Auch hier gibt es wieder Duschen und Umkleidekabinen und so lassen wir uns ein Bad auch nicht nehmen. Das Wasser ist angenehm warm und der Schwefelgeruch fällt kaum auf. Der umgebende Park beherbergt allerlei Pflanzen und die meisten sind sogar mit einem Schild versehen, dass die Art und Gattung beschreibt.
Zum Sonnenuntergang wollen wir zum süd-westlichen Teil der Insel hier liegt der „Sunken Cementary“. Vor langer Zeit lag hier auf einer Landzunge ein Friedhof. Bei einem Vulkanausbruch rutschte die Landzunge ab und versank völlig im Meer. An der Stelle befindet sich heute nur noch ein großes Betonkreuz, dass an das Unglück erinnern soll. Jedes Jahr am Jahrestag des Unglücks werden dort Blumen auf das Meer gestreut.
Da wir etwas zu früh dran sind für den Sonnenuntergang entscheiden wir uns kurzfristig eine Bienenfarm zu erkunden, die ein nur paar Kilometer die Straße runter liegt. Von außen sieht es nicht unbedingt aus wie eine Bienenfarm, aber da wir ohnehin Zeit totzuschlagen haben, kehren wir ein.
Gleich begrüßt uns ein lustig-klingender Europäer und klärt uns worum es sich genau bei dieser Bienenfarm handelt. Er heißt Raphael und stammt ursprünglich aus Belgien. Seit 5 Jahren lebt er nun hier und versucht die Vorteile der Insel zu nutzen um einen nachhaltigen Handel aufzuziehen. Vor 6 Monaten hat er die Gebäude errichtet die wir gerade besuchen. Gebäude ist evtl. etwas zu hochgegriffen: Es sind hier eine große, offene Küche, eine Art Gastraum, Toiletten und eine große Veranda hin zum steinigen Strand und zum Meer hin in einer offenen Bauweise miteinander verbunden. Überall entdeckt man kleine Besonderheiten, wie Muscheln, ein Buch über Jaques Custeau oder ein engl. Teeservice. Das ganze Bauwerk wirkt etwas skurril. Raphael erzählt uns das er die Bienenfarm fast ausschließlich aus Materialien gebaut hat die er am Strand gefunden hat.
Das Hauptgeschäft sind die Bienen, die er aus baltischen und europäischen gekreuzt hat. Er produziert neben Honig auch Propolis, Kapseln aus Gelee Royal und Bienenwachs. Außerdem baut er leckeren Kaffee an. Aber auch um pflanzliche Produkte kümmert er sich. So baut er Kokospalmen an und gewinnt aus dem Saft der Pflanze Kokosblütenzucker. Eine tolle Sache, denn Kokoszucker ist selbst für Diabetiker unbedenklich.
Auch Früchte gehören zur Produktpalette: Aus den Dragonfruits (auch Pitaya genannt) gibt es leckere Shakes. Zusammen mit einer Frucht die Sauersack heißt (gibt’s wirklich, kein Spaß) und Lanzones (dem heimlichen Star der Insel) macht er auch leckere Marmelade, die in dieser Kombination wohl einzigartig sein dürfte. Aus den Früchten kann man aber auch einen leckeren Likör herstellen, wie er uns eindrucksvoll durch eine Kostprobe beweist.
Zu guter Letzt gibt es auch sehr gute Cookies, mit Honig selbstverständlich, und sogenannte „Dragon Hearts“, ein Gebäck mit Drachenfrucht im Teig.
Alles in allem ein tolles Erlebnis! Der ulkige Belgier, eine Wahnsinns Produktpalette und ein etwas skurriler Platz mit direkt davor gelegenem Strand im Sonnenuntergang machen diesen Ort unvergesslich. Jeder der nach Camiguin kommt, sollte hier vorbeischauen.
Nur schweren Herzen können wir uns losreißen und versprechen in zwei Tagen für eine weitere Spezialität, die man vorbestellen muss, noch einmal vorbeizuschauen. Da wir aber den Rest des Sonnenuntergangs beim Sunken Cementery erleben wollen, müssen wir los. Hier ist bereits einiges los, denn es wollen wohl noch mehrere hier den Sonnenuntergang bestaunen. Die Sonne die sich hier ganz in Rot hinter dem großen Betonkreuz ins Meer stützt ist wirklich schön anzusehen. Für ein paar Pesos kann man sich auch auf das Betonkreuz rüber paddeln lassen, aber das erscheint uns zu touristisch, und wir verzichten.
Auf dem Heimweg passieren wir noch das Restaurant Luna, das angeblich die beste Steinofenpizza der Insel haben soll. Diesen Ruf müssen wir selbstverständlich überprüfen. Und was sollen wir sagen? Es stimmt! Zumindest ist die Pizza herausragend gut! Mit 300 Pesos (6 €) ist sie auch für hiesige Verhältnisse recht teuer, aber für heimische Gefilde doch recht günstig. Etwas störend ist nur, dass wir am Straßenrand sitzen und ständig ein paar Kinder Weihnachtslieder vorsingen und dafür eine kleine „Spende“ erwarten. Größtenteils ist das echt süß und nett, aber heute Abend haben wir zwei wirklich lästige Vertreter erwischt.
Bei einem schönen kühlen Bierchen auf der Terrasse vor unserem Cottage lassen wir dann einen erlebnisreichen Tag ausklingen.

One thought on “Camiguin – Teil 1

  1. Peter

    Hi Ihr beiden, ich wünsche Euch noch ein paar schöne Weihnachtstage und weiterhin tolle Eindrücke, Abenteuer und viel Spaß auf eurer Reise. LG Peter

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