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Mit dem Zug nach Chandigar

Um bereits 7:40 Uhr soll heute unser Zug zu unserer nächsten Station gehen: Chandigar. Halb schlaftrunken zahlen wir unser Hotel und lassen uns eine Rikschafahrt für 70 Rupees (ca. 90 Cent ) an den Bahnhof aufschwatzen, bei der das Ein-und Aussteigen länger dauert als die Fahrt. Naja, wenigstens mussten wir nicht nach dem Bahnhof suchen.
Freundliche Bahnmitarbeiter (ja, für einen Deutschen schwer vorstellbar, aber sowas gibt es hier!) fragen uns nach der Zugnummer und weisen uns den Weg zum richtigen Gleis. Punktlandung: als wir auf den Bahnsteig kommen fährt unser Zug auch ein. Recht schnell finden wir unser Abteil und richten uns häuslich ein. Neben den Tabletts am Stitz des Vordermanns gibt es auch Getränkehalter und Steckdosen. Richtig komfortabel. Wir sitzen alleine zu zweit in einer Dreier-Sitzreihe und so haben wir auch genug Platz.

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Kaum sind wir losgefahren fangen die fleißigen Zugbegleiter ihr Tagwerk an. Unermüdlich schleppen sie eine Sache nach der anderen an. Zuerst gibt es für jeden eine Flasche Wasser:kostenlos. Als nächstes ist Tea-Time (das Erbe der Briten ist eben nicht zu übersehen) und es gibt Tee und dazu Gebäck. Keine 10 Minuten nachdem die Tee-Tassen abgeräumt sind wird das Frühstück aufgefahren. Hier können wir aus verschiedenen Gerichten wählen. So langsam vermuten wir das man uns in die erste Klasse gebucht hat. Gerade scherzen wir, das man in Indien häufige Zugfahrer anscheinend an ihrem Umfang erkennt, da wird wieder Tee serviert. Anschließend ist aber erst einmal Ruhe und wir genießen die immer grüner werdende Landschaft die vorbei zieht. Zugfahrten in Indien ist wirklich ein Erlebnis. Aufgrund der Strassenverhältnisse ist es die günstigste und oft auch schnellste Option um von einem Ort zum nächsten zu kommen. Das wissen auch die Inder zu schätzen und zwar alle wie es scheint.
In Chandigar angekommen wird schon aus 25 m Entfernung Verhandlungen mit uns aufgenommen wegen der benötigten Rikschafahrt. Da wir nach 5 min schon ca. 8 Fahrer um uns rum stehen haben, haben wir eine gute Verhandlungsposition, und schmälern den Preis von 200 auf 100 Rupees.
Unser Hotel Satyadeep liegt über einer kleinen Bäckerei die auch von Lonley Planet empfohlen wird. Die wird auch sofort getestet, nachdem wir einen ersten Erkundungsausflug in die Gegend gestartet haben. Die Snacks sind nicht nur günstig, sondern auch Super lecker! Kleine gebackene Teigteilchen mit Joghurt und Honig oder einfach nur Brot aus Kichererbsenmehl mit einem Curry: alles gut! Dazu selbstverständlich Masala-Tee.
Jetzt gilt es nur noch zu sehen wie wir am nächsten Tag weiterkommen nach Amritsar. Hier hat ein kleiner Laden unsere Aufmerksamkeit erregt der damit wirbt Bus- und Zugtickets zu buchen. Prima, genau das brauchen wir. Auf unsere Frage ob er ein Zug oder Busticket nach Amritsar habe antwortet er auch widerwillig mit ja und bietet uns ein Zugticket für Rs 200 (~2,20 €) an. Super, das nehmen wir, jetzt nur noch bezahlen, ausdrucken und gut ist, dachten wir in unserem westlichen Leichtsinn. Haha, weit gefehlt das Buchen und mehrere Druckversuche zogen sich dann doch über knapp eine Stunde hin. In dieser Zeit versammeln sich doch einige wohl Freunde des Besitzers in dem knapp 3 qm großen Kabuff zum gemeinsamen fernsehen. Es läuft ein ernstgemeinter Indischer Actionfilm, der aber von der Machart nur Lachkrämpfe hervorrufen kann!

Nach dieser schmackhaften Stärkung und einem mehr oder weniger erfolgreiches Zugticket, wird es Zeit für ein wenig Sightseeing. Für heute haben wir uns den “Nek Chand Fantasy Rock Garden” ausgesucht.
Nach nur wenigen Minuten ist es uns gelungen einen lokalen Rikscha-Fahrer anzuhalten und ihm irgendwie verständlich zu machen wo wir hinwollen. Auch ein fairer Fahrpreis lässt sich mit unserem Verhandlungsgeschick schnell vereinbaren. Eine wilde Fahrt durch die quadratisch angelegten Strassen später stehen wir vor dem Garten. An dem Ticket-Häuschen laufen wir erst mal geschickt 2mal vorbei, da es aus zwei kleinen Fenstern auf Hüfthöhe besteht. Die Mühe hier ein Schild aufzuhängen das darauf aufmerksam macht das es hier Tickets käuflich zu erwerben gibt, hielten offensichtlich auch alle für überflüssig! Umso erfreulicher der erschwingliche Eintrittspreis von Rs 20 (~ 25 Cent).

Der Gründer Nek Chand war ein etwas gelangweilter Strassenaufseher in Chandigar, der anfing aus weggeworfenen Elektro- und Kleinteilen Skulpturen zu bauen. Und so wandeln wir auf einem schmalen Pfad zwischen Wänden aus Blechtonnen oder aus Lichtschaltern, Figuren aus Fliesen- oder Kloschüsselresten. Aber nicht nur kleine Stücke, sondern gewaltige Gebilde und Felsformationen aus Sandsäcken und dazwischen riesige tosende Wasserfälle. So kann man problemlos stundenlang in dieser bizarren Welt umherwandern.
Nach ca. 1,5 Stunden reicht es uns dann aber doch und wir treten die Heimreise an. Diesmal jedoch nicht in einer Rikscha sondern zu Fuß, da wir ja auch noch etwas von der Stadt mitbekommen wollen. Also schlagen wir uns querfeldein durch die Wohngegenden, was in dieser für Indien sehr untypische Stadt nicht all zu schwierig ist, da sie komplett in Quadrate angelegt ist.
Unser Weg führt durch eine komplett andere Welt als wir sie bisher gesehen haben. Riesige Prunkbauten, Einfahrten in denen man problemlos 10 Luxusautos parken kann, was hier auch unter Beweisgestellt wird und Pools umgeben von grünen Gärten. Auch gibt es hier richtige Gehsteige und Kinderspielplätze die wir bis jetzt vergeblich gesucht haben. Die meisten Schilder verraten das hier hauptsächlich Anwälte wohnen, wahrscheinlich weil in Chandigar das Amtsgericht des Bundesstaates ist.
Unter anderem geraten wir in die bis jetzt einzige indische Einkaufsmeile mit Fußgängerzone die schon fast an westliche Anlagen erinnert.
Dank der quadratischen Anordnung der Strassen und unseren guten Orientierungssinn finden wir sogar auf direktem Weg nach Hause. Hier kaufen wir im nahegelegenen Supermarkt noch zwei Flaschen Wasser und machen es uns im Zimmer gemütlich. Da es hier in Chandigar doch schon etwas frisch ist und indische Gebäude nicht mit Heizungen ausgestattet sind hat man uns ein altes klappriges Heizgerät aufs Zimmer gestellt, das zumindest etwas gegen die Kälte hilft.

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