Till on Tour.com

Mit dem Zug nach Amritsar

Diesmal war das frühe aufstehen nicht eingeplant sondern ausschlafen. Aber weit gefehlt! Mit einem leisen zappel-di-Wisch und fikel-di-puff ging unser Heizlüfter in Flammen auf. Na DIE Heizstufe hatten wir aber nicht gewählt. Mit Hilfe einer ordentlichen Kanne Wasser aus der Dusche war unserem nächtlichen Feuerwerk Gott sei dank schnell ein Ende bereitet. Das nervige war nur der beißende Rauch. Also schnell den Balkon und die Tür zum Flur auf um mal ordentlich zu lüften. Als wir dem Hotel-Portier erzählen das gerade der Heizlüfter explodiert ist meint der nur kühl: “no prolem”! Klar, wie eben alles hier! Nach ca. 30 min lüften und Löschwasser aufwischen kann dann auch das Zimmer wieder bezogen werden. Und dann auspennen.
Nach einem kräftigen Brunch in unserer Bäckerei schlendern wir noch etwas durch die Stadt und schauen durch die Läden und Buchlädchen. Um kurz vor 5 organisieren wir uns wieder eine Rikscha zum Bahnhof und begeben uns auf die Suche nach dem richtigen Gleis. Das gestaltet sich allerdings etwas schwieriger als gedacht.
Als organisations-verwöhnte Deutsche hatten wir gehofft das es irgendwo eine Info geben würde an welchem Gleis unser Zug fahren wird aber weit gefehlt! Also laufen wir mit unserem kompletten Gepäck alle Gleise ab, und trotzdem kein Anzeichen von Info. Es gibt zwar Ansagen, aber die sind in Hindi oder nicht verständlich wegen der technisch absolut up-to-date Bose Surround Sound Anlage hier. Letztendlich fragen wir einen Turban-tragenden Sikh am Gleis 2 und sind doch direkt richtig. Diesmal haben wir allerdings nicht so viel Glück mit den Sitzplätzen denn wir haben noch jemand mit uns auf der Dreier-Bank. Zu dritt ist es dort schon recht eng.
Auch die Verpflegung ist in der 2. Klasse anders geregelt. Hier wird nichts kostenlos geliefert sondern an jedem Bahnhof steigen fliegende Händler ein die allerlei Köstlichkeiten feil bieten. So gibt es Chicken Nuggets, Tee, Popcorn oder Sandwiches.
In Amritsar angekommen geht das große juhu um die Rikschas los. Wir finden recht schnell einen jungen geschäftigen Inder namens Sunny der uns vertrauenswürdig vorkommt und er fährt uns galant zu unserem Hotel, nicht ohne uns seine Dienste führenden kommenden Tag anzubieten. Diesmal hatten wir mit dem Hotel nicht so viel Glück. Zwar toll gelegen, aber die Zimmer sind schimmlig und ziemlich abgerissen. Naja für eine Nacht wird’s gehen. Nachdem wir uns ausgebreitet haben, schauen wir uns erst mal nach einer neuen Bleibe um und werden auch schnell fündig. Direkt um de Ecke ist ein nettes kleines Guesthouse mit gepflegten Zimmern zu noch besseren Preisen. Also reservieren wir für den nächsten Tag und machen uns endlich auf zu dem eigentlichen Ziel des hiesigen Stopps, dem goldenen Tempel.

20131227-025716.jpg

Der “Golden Tempel” ist das größte Heiligtum der Sikhs. Im alten Stadtkern gelegen ragt der Goldene Tempel über alles hinaus. Man hat das Gefühl die ganze Stadt dreht sich ausschließlich um den Tempel. Da der Tempel 24 Stunden geöffnet ist können wir auch zu später Stunde noch hin. Alles was gefordert wird ist das man die Schuhe abgibt und seinen Kopf bedeckt. Der Tempel an sich ist ein kleines Gebäude in Mitten eines künstlich angelegtem Sees, dem “Lake of Nektar” das mit ca. 750 kg Gold Versehen ist. Hier wird jeden Morgen um 4:00 Uhr das Heilige Buch der Sikhs hingebracht und gelesen bis es Abends um 21:00 Uhr zurückgebracht wird. Generell sind die Sikh sehr offen allen anderen Religionen und Menschen generell gegenüber. So werden wir sehr häufig einfach freudig begrüßt, Willkommen geheißen oder einfach nur freundlich angelächelt.
Generell ist der Tempel nicht nur als Heilige Stätte angelegt sondern hat auch sehr praktische Aspekte. So gibt es Schlafräume für jedermann und eine Küche, die Langar, die 24 Stunden kostenloses Essen anbietet. Die Küche hier bereitet pro Tag zwischen 60.000 und 80.000 Essen zu. Das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Als wir uns der Küche auch nur nähern winkt man uns heran und lädt uns ein. Nachdem man mit Blechgeschirr bewaffnet wird setzt man sich in den großen Saal und bekommt solange Essen und Wasser bis an satt ist. Und das Essen ist echt gut. Es gibt Brot mit Curry und Joghurt. Wer möchte bekommt danach auch noch Tee. Gefragte Gegenleistung? Keine. OK, wer möchte kann etwas spenden oder beim Abwasch helfen. Wer so großzügig ist verdient Anerkennung und wir entscheiden uns für beides. Der Abwasch ist in 5 Becken aufgeteilt, also wird jeder Steller 5 mal abgewaschen, das Nenn ich mal Gründlichkeit. Wir bekommen das Gefühl das das wohl nicht viele Touristen machen, denn man ist sichtlich erfreut das wir helfen wollen. Entgegen allen Erwartungen macht es auch echt Spaß und wir scherzen viel mit allen anderen, naja innerhalb der Sprachbariere zumindest. Abschließend gibt es noch einen Tee und wir machen uns mit gutem Gewissen auf in unsere Bruchbude um zu schlafen. Genug für heute.

2 thoughts on “Mit dem Zug nach Amritsar

  1. Hans-Jürgen

    “look look look… this is the house of my father!” (rashid)

Indonesien Trip