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Amritsar

Da wir heute als erstes unsere Unterkunft wechseln wollen und erst um 12 Uhr aus dem Zimmer müsse ist erst mal Auspennen angesagt. Frisch und munter versuchen wir uns den maroden Zustand der Dusche wegzudenken, packen unsere Rucksäcke und wandern mit einem freundlichen “Good Bye” aus der Tür. Was der Gastwirt nur nicht weis, das wir ca 100 m um die Ecke direkt wieder einchecken 😉 unser neues Gasthaus MK Sood Guesthouse ist nicht nur sehr viel ordentlicher sondern auch noch günstiger. Frisch eingerichtet geht es nun in die Stadt. Wir lassen uns ein gutes Punjabi-Restaurant in der Stadt empfehlen und Dackeln los. Die Altstadt ist rund um den goldenen Tempel aufgebaut und hier ist alles noch enger als sonst schon. Wenn sich ein Auto durch die winzigen Gassen drückt, kann es schon mal sein, das man in einen Laden hinein muss, damit auf der Strasse genug Platz ist. Auch hier gilt: Wer hupt, gewinnt! Immer wieder überrascht uns was man aus 2 qm Ladenfläche alles machen kann. Teilweise nicht mal das, ein Hocker und ein paar Bretter und ein Topf, fertig ist die Teestube!
Das Restaurant finden wir natürlich nicht, und unverständlicherweise scheint es jedes mal wenn wir einen Eingeborenen fragen, an einem anderen Ort eröffnet zu haben. Nach knapp einer Stunde Odysee in den Fluten Amritsars Altstadt geben wir auf.
Um den Rest des Tages nicht genauso planlos umherzuwandern entschließen wir uns unseren neuen Freund Sunny anzurufen und uns am Nachmittag die Grenzschliessungszeremonie anzuschauen. Sunny verspricht, uns um halb drei an unserem neuen Zuhause abzuholen. Super bis dahin wird entspannt.

Überpünktlich empfängt uns Sunny vor unserem Guesthouse und wir traben los in Richtung seiner Rikscha, die er hier nicht parken kann. Er fragt uns ob wir das Memorial schon gesehen hätten. Ziemlich ahnungslos blicken wir uns an und verneinen vorsichtig. An einer ziemlich überfüllten Stelle der Strasse läuft unser Führer in einen Schmalen Gang. Wir waren zwar schon bestimmt dreimal an dieser Stelle vorbeigelaufen, den Gang hatten wir aber noch nicht bemerkt. Auf der anderen Seite des Ganges erschließt sich eine großes Parkareal!! Bei uns ist man ja eher gewohnt das man einen Park von außen irgendwie erkennt, und nicht das man eine Mauer ringsherum zieht. Genau durch diesen Fakt gelangte aber dieser Platz zu seiner traurigen Berühmtheit.
Hier hatten sich 5.000 Inder versammelt um friedlich zu demonstrieren. Die britische Besatzungsmacht schickte 150 schwerbewaffnete Soldaten auf den Platz der nur einen Zugang hat, die blind in die Menge schossen und Hunderte töteten. Die Einschusslöcher sind heute noch an der Rückwand sichtbar. 120 versuchten sich durch einen Sprung in den Brunnen zu retten, wurden jedoch auch durch die Soldaten erwischt.
Trotz der traurigen Geschichte dient der Park heute eher als Naherholungsgebiet für Familien die mit der Decke auf den Grünflächen sitzen und sich der Sonne erfreuen.
Wir ziehen unterdessen weiter zu Sunnys Autorikscha, mit der uns in gewohnt-halsbrecherischen Manier etwas aus dem Zentrum fährt wo sein Taxi steht. Wir steigen in sein Taxi der Marke Tata um und sein Bruder übernimmt unterdessen seine Autorikscha. Nun geht es ca. 30 min westwärts zur indisch-pakistanischen Grenze. Die Grenzschliessungszeremonie ist ziemlich bekannt und auch noch kostenlos ist, ist hier natürlich einiges los. Wo auch immer mehr als 5 Besucher ansammeln, hüpfen sofort ein paar Strassenhändler mit Snacks, kühlen Getränken und günstigen Andenken hinter dem nächsten Baum hervor. Und hier versammeln sich täglich ca. 1000 Personen zur Zeremonie.
Auch hier gibt es speziell für Ausländer eine extra Line in der man nicht warten muss und eine extra Tribüne sehr nahe am Tor. Die Stimmung wird durch extra Anheizer gesteigert die vor der Tribüne auf und ablaufen. Die brachiale Soundanlage würde jeden Diskobesitzer blass werden lassen. Die Massen toben und singen und brüllen Lobgesänge auf Indien. Viele haben sich das Gesicht bemahlt und haben Fahnen mitgebracht. Hier geht es zu wie auf einem Fußballmatch zweier benachbarter Regionalclubs.
Auf der pakistanischen Seite sieht es ähnlich aus, die Klänge etwas orientalischer, die Kleidung etwas verhangener aber ansonsten gleich.
Als die Zeremonie startet treten 8 Grenzsoldaten in traditioneller Uniform auf die Bildfläche, die einem das Nicht-Lachen schon irgendwie schwierig macht. Allein der Fächer der am Hut steckt ähnelt ein bisschen einem Pfau. Die Gangart toppt aber definitiv alles. In maßlos übertriebenen Stechschritt bei dem die Beine nach vorne bis kurz vor die Nase geschwungen werden und dabei möglichst laut aufgetreten, nein aufgetrampelt, wird, stechen die Soldaten einzeln vor zum Tor und schütteln der gegnerischen Seite die Hände. Ganz ehrlich, wenn irgendwo ein Ball gewesen wäre, hätte man Glauben können es handelt sich um eine neue Sportart. Am Schluß wird noch die Fahne eingeholt, gefaltet und in gewohntem stechen zur heimischen Bude transportiert. Und ohne große Vorwarnung war es das. Also traben wir mit der restlichen Masse zum Parkplatz zurück, wo uns Sunny an einem einheimischen Stand mit Masala-Tee und Snacks empfängt.
Für die Rückfahrt hat Sunny noch ein paar Überraschungen. Zuerst fährt er uns an der Verbrennungsstelle vorbei, wo die Vergangenen nach indischer Tradition verbrannt werden. Natürlich erst nachdem er sich bei uns rückversichert hat, das wir auch keine Bedenken wegen den Geistern haben!
Danach ist der Cave-Tempel auf dem Programm. Entgegen allen Erwartungen hat der Tempel nichts mit einer Höhle zu tun. Der Name kommt daher das man in den ersten Stock des Tempels in eine Art Labyrinth eintreten kann, das durch Wasserläufe, Spiegelhallen, Tierkopf-Eingänge und Röhren führt durch die man kriechen muss. Die Seiten sind immer mit Figuren von Shiva, Vishnu, Ganesha oder Brahma gepflastert. Also so ganz können wir uns einem Vergleich mit einer Geisterbahn nicht erwähnen. In diesem Tempel wird speziell eine Heilige des Hinduismus verehrt. Frauen mit Kinderwunsch kommen hier beten. Aber man kann auch gleich ein ganzes Auto vor den Tempel fahren und segnen lassen.
Nach der ganzen Tempelei fehlt noch ein ordentliches Abendessen und Sunny empfiehlt noch ein gutes lokales vegetarisches Restaurant (Dhaba) wo wir uns die lokale Spezialität bestellen die wir schon vorher empfohlen bekommen haben. Sehr lecker! Da das Restaurant in Laufweite zu unserer Unterkunft liegt schlendern wir gemütlich nach Hause.

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